Liquidität

Liquidität ist die Fähigkeit fällige Zahlungen fristgerecht zu begleichen. Wer nicht liquide ist, kann fällige Forderungen nur verspätet oder im schlimmsten Fall überhaupt nicht zahlen, was zur Insolvenz führt.

Das erwartet dich heute:

Definition Liquidität

Liquidität ist nötig, um fällige Zahlungen zeitgerecht zu leisten. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass das Unternehmen genug finanzielle Mittel zur Verfügung hat, um alle Rechnungen zu zahlen. Die Liquidität ist dementsprechend enorm wichtig, denn unbeglichene Forderungen führen zu immer größeren finanziellen Schwierigkeiten, bis hin zur Zahlungsunfähigkeit und der Insolvenzanmeldung.

Liquiditätskennzahlen und Berechnung der Liquiditäten

Entsprechend der großen Bedeutung der Liquidität ist es wichtig, sie stets im Blick zu haben. Dabei kann man nicht einfach nur den Kontostand betrachten, sondern auch verschiedene Liquiditätskennzahlen berechnen. Diese drei Kennzahlen sehen wir uns nun genauer an.

Liquidität 1. Grades (Cash Ratio)

Diese Kennzahl gibt einen schnellen Einblick dazu, ob das Unternehmen in der Lage ist, kurzfristig bevorstehende Zahlungen fristgerecht zu leisten. Man setzt hier die kurzfristigen Verbindlichkeiten in Relation zu den aktuell verfügbaren flüssigen Mitteln.
Die Formel lautet dementsprechend:

(Flüssige Mittel)/(kurzfristige Verbindlichkeiten) x 100

Unter den „flüssigen Mitteln“ werden vor allem Bank- und Kassabestände verstanden. Kurzfristige Verbindlichkeiten sind alle Verbindlichkeiten, die innerhalb der nächsten 12 Monate fällig sind, zuzüglich Steuerrückstellungen und sonstiger Rückstellungen, die den Zeitraum betreffen.
Wichtig ist, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht komplett durch flüssige Mittel gedeckt sein müssen. Wenn ein Unternehmen beispielsweise selbst ebenso offene Forderungen hat, die in Kürze beglichen werden, so müssen die flüssigen Mittel nicht in voller Höhe die kurzfristigen Verbindlichkeiten decken.

Berechnung Liquidität 1. Grades
Die Berechnung der Liquidität 1. Grades.

Liquidität 2. Grades (Quick Ratio oder Acid Test Ratio ATR)

Der Unterschied zur Liquidität ersten Grades liegt nun genau in den bereits erwähnten kurzfristigen Forderungen. Diese addiert man bei der Liquidität zweiten Grades zu den flüssigen Mitteln.
Die Formel lautet dementsprechend:

(Flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen )/ (kurzfristige Verbindlichkeiten) x 100

Das gewünschte Ergebnis liegt hier selbstverständlich über 100, damit klar ersichtlich ist, dass die flüssigen Mittel und die offenen, kurzfristigen Forderungen die binnen der nächsten 12 Monate zu Zahlungseingängen führen sollten größer sind, als die kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Gleichzeitig sollte der Wert auch nicht zu hoch sein, denn ein Wert von über 120 kann auf Risiken hinweisen, etwa auf mangelndes Cash-Management.

Berechnung Liquidität 2. Grades
Die Berechnung der Liquidität 2. Grades.

Liquidität 3. Grades (Current Ratio)

Bei der Liquidität dritten Grades werden neben den flüssigen Mitteln und kurzfristigen Forderungen nun auch noch die Vorräte addiert. Diese Summe setzt man wieder ins Verhältnis zu den kurzfristigen Forderungen. Die Formel lautet daher:

(Flüssige Mittel + kurzfr. Forderungen + Vorräte) / (kurzfr. Verbindlichkeiten) x 100

Das Ergebnis sollte über 120 liegen, aber auch noch deutlich höher. Ein Ergebnis von 125 würde beispielsweise zeigen, dass das Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten vollständig decken kann und dazu neben den liquiden Mitteln auch kurzfristige Forderungen eingesetzt werden, sowie Vorräte darüber hinaus vorhanden sind, die verkauft werden können.

Ein deutlich höherer Wert würde darauf hindeuten, dass es entweder viel ungenutzte finanzielle Mittel gibt, hohe, ausständige Forderungen oder umfangreiche Vorräte, was auf schlechte Verkaufszahlen hindeuten kann und mit hohen Lagerkosten verbunden ist. Auf die Konsequenzen zu hoher Ergebnisse wird auch in einem späteren Absatz („Folgen zu hoher Liquidität“) im Detail eingegangen.

Die Berechnung der Liquidität 3. Grades.

Was sind die Folgen von mangelnder Liquidität?

Wenn zu wenig finanzielle Mittel vorhanden sind um Forderungen fristgerecht zu begleichen, werden die Folgen daraus schrittweise eintreten. Zu Beginn werden Zahlungsverzögerungen zu Mahnungen führen, die wiederum mit zusätzlichen Kosten und hohen Zinsen verbunden sind. Gleichzeitig fallen auch Bankspesen an, wenn zur Sicherung der Liquidität hier zusätzliche finanzielle Mittel aufgenommen werden.

Bedrohlich wird es, wenn Lieferanten nicht länger bereit sind auf fällige Zahlungen zu warten. In diesen Fällen können sie die Zusammenarbeit beenden, was für dein Unternehmen zu Lieferschwierigkeiten führen kann. Alternativ kann es dazu kommen, dass Lieferanten nur gegen Vorauskasse liefern, wodurch sich die Liquiditäts-Situation weiter verschärft.

Bei einer kurzfristigen Unfähigkeit Forderungen fristgerecht zu begleichen kann von einem Liquiditäts-Engpass gesprochen werden. Dauern diese Probleme jedoch länger an, handelt es sich um Zahlungsunfähigkeit. Damit steht das Unternehmen vor dem Aus und die Insolvenz tritt ein.

Und was passiert, wenn die Liquidität zu hoch ist?

Kann ein Unternehmen zu viel Geld haben? Die Antwort lautet Ja, nämlich immer dann, wenn es ungenutzt ist. Wir haben bei den drei Graden der Liquidität bereits gesehen, auf welche Faktoren es ankommt: flüssige finanzielle Mittel, kurzfristige Forderungen und Vorräte.

(Zu) hohe flüssige Mittel

Eine große Zahl am Bankkonto des Unternehmens scheint auf den ersten Blick erfreulich – doch Bankguthaben wird kaum verzinst. Deshalb können hohe flüssige Mittel auch ein Hinweis sein, dass das Unternehmen kein Investitionspotential sieht, um das eigene Wachstum voranzutreiben. So können zu hohe flüssige Mittel durchaus negativ aufgefasst werden, da das Kapital zwar vorhanden, aber nirgends gewinnbringend eingesetzt ist.

(Zu) hohe kurzfristige Forderungen

Hohe kurzfristige Forderungen sind an sich erfreulich, da sie auf gute Verkaufszahlen hindeuten. In diesem Zusammenhang sollte man jedoch auch historische Daten zu Zahlungsausfällen betrachten um zu prüfen, ob hier Risiken bestehen. Auch ein straffes Mahnwesen trägt dazu bei, dass kurzfristige Forderungen auch wirklich zu Zahlungseingängen werden.

(Zu) hohe Vorräte

Vorratshaltung ist generell teuer, deshalb sollte der Umschlag hier möglichst groß sein. Viele Vorräte können ein Hinweis auf schlechte Verkaufszahlen sein. Die Vorräte sind branchenspezifisch unterschiedlich, weshalb man sie individuell, je nach Unternehmen, betrachten muss (z.B. verderbliche Ware, etc.).
Die verschiedenen Faktoren sollte man stets als Gesamtheit betrachten. So kannst du dir sehr schnell ein gutes Bild verschaffen, wo es Verbesserungspotential gibt.

Zahlungsfähigkeit sicherstellen

Liquiditätsplanung

Die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit erfolgt primär durch gute Liquiditätsplanung.

Die Liquiditätsplanung ist ein Teilbereich des Finanzplans des Unternehmens. Hier werden alle Zahlungsströme abgebildet, sodass auf einen Blick ersichtlich ist, wann welche Liquidität gegeben ist. Ziel der Liquiditätsplanung ist also, schon vorab zu wissen, zu welchem Zeitpunkt welche flüssigen Mittel verfügbar sind. So kann auch erkannt werden, an welchen Tagen es zu Liquiditätsengpässen kommen kann. In weiterer Folge können entsprechende Maßnahmen, z.B. straffes Forderungsmanagement oder ein kurzfristiger Zahlungsaufschub eines Lieferanten, ergriffen werden, um den Engpässen schon frühzeitig entgegenzuwirken.

Liquiditätsvorschau

In der Liquiditätsvorschau erfolgt die Liquiditätsplanung in übersichtlicher Form auf Monatsbasis.

Die Vorschau zeigt also, welche Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge es in dem betreffenden Monat geben wird und welcher Überschuss oder Fehlbetrag erwartet wird. Diese gröbere Planung kann man für mehrere Monate vorab erstellen und laufend anpassen.

Maßnahmen zur Liquiditätssteigerung

Um die Liquidität des Unternehmens zu stärken, können unterschiedliche Maßnahmen gesetzt werden.

Kapitalfreisetzung – Factoring

Factoring ist der Fachbegriff für den Verkauf von Forderungen. Konkret bedeutet das, dass deine Kunden ein Zahlungsziel von beispielsweise 60 Tagen haben, du jedoch das Geld von der Factoring-Bank, gegen eine entsprechende Gebühr, sofort nach Rechnungslegung erhältst. So verschieben sich deine Zahlungseingänge nach vorne, verringern sich jedoch auch geringfügig.

Gewinnthesaurierung

Die Einbehaltung von Gewinnen verbessert die Liquidität. Beachte jedoch immer, dass thesaurierte Gewinne auch so ausgelegt werden können, dass zu wenig Optionen für Investments in Wachstumsaktivitäten für dich vorhanden sind. Baue also genug Liquidität auf, um das Unternehmen stabil und sicher auch durch schlechtere Zeiten führen zu können, aber thesauriere Gewinne nicht in endloser Höhe.

Kapitalerhöhungen

Bei Kapitalerhöhungen können beispielsweise neue Aktien ausgegeben werden oder Geschäftsanteile verkauft werden. Das Kapital fließt direkt dem Unternehmen zu und kann die Liquidität sichern. Diese Maßnahme spielt bei kleineren Unternehmen üblicherweise keine große Rolle.

Fazit

Solide Liquidität ist die Voraussetzung für jedes erfolgreiche Unternehmen. Andernfalls können Beziehungen zu Lieferanten leiden und bedrohliche Situationen entstehen. Achte stets darauf, gute Beziehungen zu deinen Lieferanten und Banken zu pflegen, damit du im Falle vorübergehender Zahlungsschwierigkeiten eine gute Gesprächsbasis hast.

Damit es gar nicht erst so weit kommt solltest du genügend Zeit in realistische Liquiditätsplanung stecken, denn so kannst du mögliche Engpässe frühzeitig erkennen und dein Kapital sinnvoll einsetzen.