Buchhaltung lernen – Die Grundlagen der Buchführung einfach erklärt

EÜR oder GuV, einfache oder doppelte Buchführung, Angebote und Rechnungen korrekt ausstellen. Du willst mehr über Buchhaltung lernen und hast keine Ahnung, wo du anfangen sollst? Wenn du als Gründer, Freiberufler oder Selbstständiger die Buchhaltung selbst übernimmst, siehst du dich ohne Ausbildung eventuell rasch an deine Grenzen gebracht. Mühselig suchst du dir dann zusammen, was du gerade benötigst. Dennoch hast du doch irgendwie immer die Angst im Nacken, etwas falsch zu machen und Ärger mit dem Finanzamt zu bekommen?

In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, welche Grundkenntnisse du in Buchhaltung benötigst, um dem Alltag als Selbstständiger entspannt entgegensehen zu können. Wir zeigen dir, wie du Buchhaltung lernen kannst und in fünf Schritten und ohne großen Aufwand die Buchführung in ihren Grundzügen erlernst.

Das erwartet dich heute:

Was ist Buchhaltung?
Warum ist Buchhaltung für dich wichtig?
In 5 Schritten zum Buchhaltungsprofi
↳ 1. Schritt: Basics klären
↳ 2. Schritt: GoBD kennen und berücksichtigen
↳ 3. Schritt: Soll- und Ist-Versteuerung
↳ 4. Schritt: Angebote und Auftragsbestätigungen erstellen
↳ 5. Schritt: Eine professionelle Rechnung schreiben
Buchhaltung lernen – diese Möglichkeiten gibt es

Was ist Buchhaltung?

Buchhaltung erfasst und analysiert alle Zahlungsvorgänge innerhalb eines Unternehmens. Die Bezeichnung stammt von der früheren Praxis, diese handschriftlich und nach Belegen sortiert in Buchform zu erfassen. Heute werden hierfür überwiegend Softwarelösungen oder EDV-Systeme genutzt. Mit deren Hilfe lassen sich Lohn- und Gehaltszahlungen, Einnahmen und Ausgaben, Bilanzierungen und weitere Buchführungsaufgaben rasch erledigen.

Warum ist Buchhaltung für dich wichtig?

Selbstständige, Unternehmer und auch Freiberufler entscheiden sich nicht für oder gegen eine Buchhaltung, sie sind gesetzlich dazu verpflichtet. Allerdings in unterschiedlicher Art und Weise, denn man unterscheidet zwischen

  • einfache Buchführung (Freiberufler, Kleinunternehmer, sogenannte „Minderkaufleute“)
  • doppelte Buchführung (Unternehmen mit einer bestimmten Umsatzhöhe oder Rechtsform, sogenannte „Vollkaufleute“)
  • kameralistische Buchführung (vor allem in Behörden üblich, die mit zugewiesenen Etats arbeiten müssen)

Die Verpflichtung zur Buchführung ergibt sich grundsätzlich für jeden gewerblich Handelnden aus §238 Handelsgesetzbuch (HGB). Hier ist zusätzlich festgelegt, dass die Buchführung so beschaffen sein muss, „daß sie einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die Geschäftsvorfälle und über die Lage des Unternehmens vermitteln kann. Die Geschäftsvorfälle müssen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen.“https://sevdesk.de/wp/wp-admin/post.php?post=21047&action=edit&lang=de#edit_timestamp

Der Begriff „Kaufmann“, auf den sich die gesetzlichen Vorgaben beziehen, lässt sich hier in einem erweiterten Sinne verstehen. Denn als Kaufmann gilt jeder gewerblich Handelnde, der bestimmte Einnahmen erzielt. Ergänzend sind zudem weitere Gesetze in Kraft. Beispielsweise die des Einkommensteuerrechts oder der Abgabenordnung, die vorschreiben, wer in welcher Form zur Buchführung verpflichtet ist.

Doch selbst, wenn es diese Gesetze nicht gäbe, auch für Kleinunternehmer, Freiberufler und Existenzgründer ist es wichtig, sich von Anfang an einen Überblick zu verschaffen, ob und wie die Geschäfte laufen und wie sie sich optimieren lassen. Und genau das ist ebenfalls Aufgabe der Buchhaltung.

In 5 Schritten zum Buchhaltungsprofi

Ob du also selbst die Buchhaltung übernimmst oder diese delegierst, es lohnt sich immer, sich mit den Grundlagen zu befassen, um Fehler zu vermeiden. Denn leider kommt es gar nicht selten vor, dass Freiberufler oder Selbstständige erst zu spät bemerken, dass

  • Ausgaben und Einnahmen in keinem profitablen Verhältnis zueinander stehen.
  • sie gesetzliche Vorgaben nicht einhalten und daher Steuerschulden oder hohe Nachzahlungen und Säumnisgebühren zu erwarten sind.

Auch wenn das Thema also ein wenig trocken erscheinen mag, mit der richtigen Anleitung und einer Software, die dir die Routinearbeiten abnimmt, findest auch du dich sicher rasch in den Grundlagen der Buchhaltung zurecht.

1. Schritt: Basics klären

Wie eingangs erwähnt, unterscheidet der Gesetzgeber zwischen der Pflicht zur einfachen und zur doppelten Buchführung. Wobei im engeren Sinne eigentlich nur die doppelte Buchführung als Buchhaltung zu bezeichnen ist.

Zur einfachen Buchführung verpflichtet sind

  • Freiberufler, unabhängig von der Höhe ihrer Umsätze und Gewinne. Wer dazu zählt, regelt §18 EStG.
  • Kleinunternehmer nach §19 UStG.

Eine doppelte Buchführung ist verpflichtend für

  • Unternehmen und Gewerbetreibende mit einem Jahresumsatz ab 600.000 € oder einem jährlichen Gewinn ab 60.000 €.
  • Unternehmen, die aufgrund ihrer Rechtsform zwingend im Handelsregister eingetragen werden müssen.

Freiberufler, die vergleichbare Verdienst- oder Umsatzhöhen erreichen, können sich zudem freiwillig zur doppelten Buchführung und der damit einhergehenden Bilanzierung verpflichten. Denn die Bilanzierung bietet in einigen Fällen Vorteile wie bei der Abschreibung oder Bewertung von Vermögenswerten.

Wenn du dich als Freiberufler ins Handelsregister aufnehmen lassen möchtest, kannst du dies freiwillig beantragen. Allerdings gehst du dann die Verpflichtung zur doppelten Buchführung ein.

Aber zunächst einmal zurück zu den Basics. Da lautet die erste Frage sicher: Was genau ist der Unterschied zwischen einfacher und doppelter Buchführung?

Einfache Buchführung per Einnahmen-Überschuss-Erklärung (EÜR)

Bei der einfachen Buchführung musst du im Grunde nichts anderes tun, als fleißig Belege sammeln und deine Einnahmen und Ausgaben einander gegenüberstellen. Das Ganze allerdings in einer Form, die für Außenstehende nachvollziehbar ist. Auch bei einer einfachen Buchführung musst du deine Ablage daher gut sortieren und dir ein transparentes System überlegen, nach denen du Rechnungsnummern vergibst und Belege zuordnest.

Außerdem musst du wissen, welche Ausgaben du von deinen Einnahmen abziehen kannst, um den Jahresgewinn zu ermitteln. Bist du umsatzsteuerpflichtig, kommt die Frage hinzu, welchen Steuersatz du berechnen musst – in der Regel sind dies 19% für Waren und Dienstleistungen und 7% für Lebensmittel, kreative Leistungen, durch die Urheberrechte geschaffen werden.

Am Jahresende erstellst du dann die Einnahmen-Überschuss-Rechnung und fügst diese deiner Einkommensteuererklärung hinzu. Was am Ende auf der Haben-Seite stehen bleibt, ist dein Gewinn. Eine Bilanzierung von Vermögen oder eine Inventur ist nicht erforderlich.

Formular zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Formular zur Einnahmen-Überschuss-Rechnung, Quelle: www.fuer-gruender.de

Doppelte Buchführung: Kontierung und Bilanzierung

Die doppelte Buchführung ist komplizierter, aber dennoch auch für Laien verständlich. Jeder Geschäftsvorfall deines Unternehmens muss buchhalterisch festgehalten und einem Konto zugewiesen werden. Bei der Kontierung entscheidet sich, auf welches Konto ein Geschäftsvorfall gebucht werden soll. Du kannst den Buchungsbeleg mit einem Stempel oder EDV-Aufkleber vorkontieren. Anhand der Angaben der Vorkontierung ergibt sich der Buchungssatz wodurch die Buchhaltung weiß, auf welches Konto sie den Beleg buchen muss. Die Buchhaltung benötigt dafür folgende Angaben eines Buchungsbelegs:

  • Buchungsdatum und Buchungsnummer
  • Belegnummer und Belegdatum
  • Buchungstext
  • Betrag

Neben der Kontierung gehört zur doppelten Buchführung auch die Erstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung sowie die Bilanzierung.

Bestandskonten bilden vorhandene Werte ab

Zu den verschiedenen Konten, die du für deine Buchhaltung einrichtest, gehören Bestands- und Erfolgskonten. Bestandskonten bilden das aktive und passive Vermögen deines Unternehmens ab. Hier werden also beispielsweise Bargeldbestände, Anlagevermögen, Grundstücke, Maschinen, Lagerbestände und dergleichen erfasst. Positive Werte werden als Aktiva verbucht, Verbindlichkeiten (beispielsweise Darlehen, die zurückgezahlt werden müssen) als Passiva. Die Gegenüberstellung bildet die Grundlage der jährlichen Bilanzierung.

Erfolgskonten erfassen Gewinne und Verluste durch geschäftliche Vorgänge

Erfolgskonten zäumen das Pferd von einer anderen Seite auf. Hier wird den Erträgen (Umsätzen, Einnahmen) aus der geschäftlichen Tätigkeit der erforderliche Aufwand (Ausgaben) gegenübergestellt. Aus der Gegenüberstellung ergibt sich, ob und welche Gewinne oder Verluste das Unternehmen im Geschäftsjahr gemacht hat.

Als Faustregel kannst du dir also merken: Bestandskonten bilden die Vermögenswerte eines Unternehmens als gegenwärtige Bestände ab. Erfolgskonten geben Auskunft über Gewinne und Verluste aus geschäftlichen Vorgängen.

Tipp!

Was du als Laie allerdings nicht tun solltest, ist, dir jetzt selbst ein solches System auszudenken. Hier lohnt sich die Investition in eine Buchhaltungssoftware. Schon deshalb, weil du jeden Geschäftsvorfall nur einmal eingeben musst und die Software sie dann automatisch den jeweiligen Konten zuordnet.

Was ist ein Buchungssatz und was leistet er?

Zu den Grundlagen der Kontierung gehört der sogenannte Buchungssatz. Durch diesen wird geklärt,

  • welche Art von Geschäftsvorfall verbucht werden soll
  • auf welchen Konten die Buchung erfolgen muss

Jeder Geschäftsvorfall muss auf zwei Konten gebucht und auf der Soll- und auf der Haben-Seite erfasst werden. Ob sich das Konto im Soll oder Haben verändert, hängt von der Kontenart ab:

  • Bestandskonten: Vermögen und Kapital
  • Erfolgskonten: Aufwendungen und Erträge

Beispiel: Du hast einen Tisch zum Preis von 430 Euro gekauft. Der Betrag erscheint auf der Soll-Seite, da es sich um eine Geschäftsausstattung handelt. Gleichzeitig erscheint der Betrag auf der Haben-Seite als Buchungsbetrag in der Kasse.

Buchungssatz Beispiel
Beispiel eines Buchungssatzes

Zu den Bestandskonten zählen alle Konten der Bilanz. Allerdings wird zwischen Aktiv- und Passivkonto unterschieden.

Aktivkonten

Das können Anlagevermögen wie beispielsweise Büroausstattung oder PKW oder Forderungen aus Leistungen und Lieferungen sein. Hier solltest du dir merken, dass Zugänge im Soll und Abgänge im Haben gebucht werden.

Passivkonten

Bei den Passivkonten ist dies genau umgekehrt. Hier werden Zugänge im Haben und Abgänge im Soll gebucht. Passivkonten können beispielsweise Darlehen, Eigenkapital oder Verbindlichkeiten bei Lieferanten sein.

Du solltest zu einer Buchung immer den passenden Beleg aufbewahren. Nur in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei Kontoführungsgebühren, ist bei Buchungen kein Beleg vorhanden.

Was ist und wie erstellt man eine Gewinn- und Verlustrechnung?

Was dem Freiberufler die EÜR, ist dem Gewerbetreibenden die Gewinn- und Verlustrechnung. Als Teil der jährlichen Bilanzierung bietet sie Aufschluss über deine Namensbestandteile: über Gewinne und Verluste deines Unternehmens.

Vorlage Gewinn- und Verlustrechnung
Vorlage einer Gewinn- und Verlustrechnung

Für deren Ermittlung sieht die Buchführung ein eigenes GuV-Konto vor, in dem alle Daten aus Aufwänden und Erträgen der Erfolgskonten eingehen. Der Abschluss des GuV Kontos wird über das Eigenkapitalkonto ausgebucht.

Die GuV kann also in einer einfachen Gegenüberstellung von Haben und Soll erfolgen. Man spricht dann von einer Gliederung nach der Kontenform. Auf der Soll-Seite erscheinen alle Aufwendungen aus den Erfolgskonten, auf der Haben-Seite die Gewinne und Erträge aus den Ertragskonten. Alternativ kannst du Gewinne und Verluste chronologisch gestaffelt notieren und berechnen.

Des Weiteren unterscheidet man der Art der Berechnung nach das Gesamtkostenverfahren und das Umsatzkostenverfahren. Beim Gesamtkostenverfahren geht man von den Produktionseinheiten aus, um Erträge und Aufwände zu berechnen. Beim Umsatzkostenverfahren bilden die abgesetzten Einheiten den entscheidenden Berechnungsfaktor.

Du hast also verschiedene Möglichkeiten, deine GuV zu erstellen. Allerdings musst du dich aber für mehrere Jahre für eine davon entscheiden, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben.

Zusammengefasst ergibt sich folgender Ablauf für die Erstellung deiner GuV:

1. Einrichtung der Erfolgskonten (Ertrag und Aufwand)
2. Eintrag und Buchung der jeweiligen Geschäftsvorfälle (zum Beispiel Mieten oder Pachtgebühren, Umsätze, Zinserträge)
3. Übertrag in die GuV
4. Saldoermittlung für Erträge und Aufwände

Als Saldo bezeichnet man die jeweilige Differenz zwischen Soll und Haben. Der Saldo-Betrag für Aufwände wird auf der Soll-Seite der GuV verbucht. Der Saldo-Betrag für Erträge wird auf der Haben-Seite verbucht. Aus der abschließenden Gegenüberstellung der Salden lässt sich dann entnehmen, ob das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr mit Blick auf seine Geschäftsvorfälle Gewinne oder Verluste erzielt hat.

Wie erstelle ich eine Bilanz und was ist das?

Der Jahresabschluss eines Unternehmens setzt sich aus der GuV und der Bilanzierung der Vermögenswerte zusammen. Die GuV geht als Komponente des Eigenkapitals in die Jahresbilanz ein.

Die Bilanz wird in eine Aktiv- und eine Passivseite gegliedert. Aktiva sind alle Vermögenswerte, einschließlich Bargeldbeständen oder Forderungen. Passiva sind Kapitalwerte (Fremd- und Eigenkapital) und Verbindlichkeiten. Beide Posten werden auch als Inventar bezeichnet. Welche im Einzelnen dazu gehören und wie diese aufzustellen sind, ist in §266 HGB geregelt.

Um die Bilanzierung durchführen zu können, musst du daher im laufenden Geschäftsjahr alle Werte sorgfältig erfassen. Außerdem ist jetzt eine Inventur erforderlich, das heißt, du vergleichst den Ist-Bestand der Vermögenswerte mit dem Soll-Bestand.

Darüber hinaus werden im Rahmen der Bilanzierung

  • die Konten der doppelten Buchführung am Bilanzstichtag abgeschlossen.
  • die Aktiva und Passiva mit dem Inventurergebnis abgestimmt.
  • aktive und passive Rechnungsabgrenzungsposten ermittelt.
  • Rückstellungen gebildet.

Rückstellungen sind Verbindlichkeiten, die in absehbarer Zeit anfallen werden, deren Höhe aber noch nicht bekannt ist.

2. Schritt: GoBD kennen und berücksichtigen

Mit dem Kürzel GoBD bezeichnet man die „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“, wie sie der Gesetzgeber vorgibt. Diese Grundsätze wurden 2014 neu erlassen, weil die Buchführung heute kaum noch handschriftlich und stattdessen elektronisch erfolgt.

Der Begriff der Buchführung wurde daher in der Neuordnung explizit auf die elektronische Verarbeitung der jeweiligen Daten und Bilanzierungen ausgeweitet. Darüber hinaus kommen Unternehmen ihrer Aufbewahrungspflicht relevanter Belege und Unterlagen nun auch nach, wenn sie diese in elektronischer Form archivieren.

Wie schon zuvor gilt dabei, dass der Steuerpflichtige allein für die ordnungsgemäße Ausführung und Aufbewahrung verantwortlich ist. In Sachen Buchführung muss er sich während der gesamten Dauer der Aufbewahrungsfristen von Unterlagen zudem an eine Reihe von Grundsätzen halten. Diese betreffen deren

  • Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit
  • Wahrheit, Klarheit und fortlaufende Aufzeichnung
  • Vollständigkeit
  • Richtigkeit
  • zeitgerechte Buchung und Aufzeichnung
  • Ordnung
  • Unveränderbarkeit bezüglich der Buchungen und Dokumente

Was dies im Einzelnen bedeutet, hat das Bundesfinanzministerium 2014 in einem Schreiben detailliert aufgelistet.

Tipp!

Falls du dich dafür entscheidest, ein Buchhaltungsprogramm zu verwenden, solltest du daher unbedingt darauf achten, dass diese GoBD-zertifiziert ist. Denke auch daran: Die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung gelten auch dann, wenn du freiwillig Aufzeichnungen oder Daten archivierst und stehen in engem Zusammenhang mit steuerlichen, aber auch mit datenschutzrechtlichen Vorgaben.

3. Schritt: Soll- und Ist-Versteuerung

Sofern du mit deiner selbstständigen Tätigkeit nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällst, bist du zur Erhebung von Umsatzsteuer auf deine Produkte oder Dienstleistungen verpflichtet. Diese musst du in regelmäßigen Abständen an das Finanzamt weiterleiten. Wann dies erfolgt, hängt von zwei Faktoren ab

  • von der Höhe der eingenommenen Umsatzsteuer und
  • von der Frage, ob du eine Soll- oder eine Ist-Versteuerung gewählt hast beziehungsweise zu welcher dieser Versteuerungsarten du verpflichtet bist.

Die Höhe der eingenommenen Umsatzsteuer entscheidet darüber, ob du sie

  • einmalig zum Jahresende (bis 1.000 €),
  • mehrmalig zum jeweiligen Quartalsende (bis 7.500 €) oder
  • monatlich (mehr als 7.500 €) voranmelden und überweisen musst.

Problematisch kann dies werden, wenn du beispielsweise zum Quartalsende einen hohen Umsatzsteuerbetrag in einer Rechnung ausweist, die erst im darauffolgenden Quartal beglichen wird. Daher haben Unternehmen und Freiberufler, die bestimmte Umsatzgrenzen nicht überschreiten, die Möglichkeit, sich für eine Soll- oder eine Ist-Besteuerung zu entscheiden.

Soll-Besteuerung

Wählst du eine Soll-Besteuerung, heißt dies, dass Rechnungsdatum und Fälligkeit der Steuern auf denselben Zeitpunkt fallen. Musst du jeweils zum Quartalsende deine Umsatzsteuervoranmeldung einreichen und stellst du am 30. März eine Rechnung aus, würde dies bedeuten, dass die Umsatzsteuer der Rechnung noch im ersten Quartal fällig ist und an das Finanzamt abgeführt werden muss. Auch wenn die Zahlung tatsächlich erst später eingeht.

Ist-Besteuerung

Bei der Ist-Besteuerung verhält sich das anders. Geht nämlich der fällige Betrag aus unserem Beispiel erst am 14. April auf deinem Geschäftskonto ein, wird die darin enthaltene Umsatzsteuer auch erst am Ende des 2. Quartals fällig.

Wenn du dich für die Ist-Besteuerung entscheidest, wird bei Verkäufen und somit Umsatzerlösen der Zahlungsstrom berücksichtigt. Die Umsatzsteuer ist erst zum Zeitpunkt der Zahlung des Kunden fällig. Bei Einkäufen und somit Ausgaben darfst du die Vorsteuer zum Zeitpunkt der Anschaffung geltend machen. Hier wird wiederum nicht der Zeitpunkt der Zahlung betrachtet.

Das Finanzamt gewährt die Ist-Besteuerung auf Antrag nur

  • den Angehörigen freier Berufe
  • Selbstständigen, die nicht zur doppelten Buchführung verpflichtet sind
  • Unternehmen, deren Umsätze weniger als 500.000 € jährlich betragen

4. Schritt: Angebote und Auftragsbestätigungen erstellen

Ein wichtiger Teil der Arbeit von Freiberuflern und Dienstleistern besteht im Erstellen von Angeboten. Darin legst du mindestens fest:

  • die Art und den Umfang der erbrachten Leistung
  • Beginn und Ende der Leistung
  • einen Gesamtpreis oder ein Stundenhonorar, den/das du berechnest
  • Zahlungs- und Lieferbedingungen
  • den Umsatzsteuersatz, den du berechnest

sowie weitere wichtige Angaben, die im Zusammenhang mit deinem Angebot von Bedeutung sind. Auch ein Verweis auf deine AGB oder den Erfüllungsort kann sinnvoll sein.

Damit du rasch auf Anfragen interessierter Kunden reagieren kannst, erstellst du dir am besten eine Angebotsvorlage, das sich flexibel anpassen lässt. Bedenke aber, dass Angebote, die keine Hinweise auf ihre Unverbindlichkeit oder eine zeitliche Begrenzung enthalten, bindend sind. Nimm daher am besten eine Formulierung wie „alle Angebote ohne Gewähr“ oder „Angebot gilt bis DATUM“ darin auf.

Um Kunden dein Angebot schmackhaft zu machen, solltest du nicht zu knapp formulieren und auf ein attraktives Design achten. Dies gilt insbesondere, wenn du im kreativen Bereich tätig bist. Darüber hinaus solltest du dem Kunden verdeutlichen, was alles Grundlage deines Angebots ist: ein klasse Support auch nach Auftragserfüllung beispielsweise. Oder eine intensive Recherche und Auseinandersetzung mit seinem speziellen Bedarf vor der Auftragserfüllung.

Zu guter Letzt denke daran, dass dir eventuell Kosten fürs Telefonieren, Drucken, für den Kauf von Bildern oder den Versand entstehen – und beziehe diese in deine Angebotsplanung ein.

Nimmt der Kunde das Angebot an, kommt damit ein verbindlicher Vertrag zustande. Idealerweise fasst du dessen Bedingungen dann noch einmal in einer Auftragsbestätigung zusammen. Eine schriftliche (auch als Dateianhang möglich) Auftragsbestätigung solltest du zudem immer dann verschicken, wenn zuvor nur mündliche Absprachen getroffen wurden oder wenn durch dich oder den Kunden noch Änderungen am ursprünglich verschickten Angebot vorgenommen wurden.

5. Schritt: Eine professionelle Rechnung schreiben

Beispiel Rechnung
Beispiel Rechnung

Während es zur Form des Angebotsschreibens kaum rechtliche Vorgaben gibt, sieht dies bei der Rechnungsstellung anders aus. Um dich und deine Kunden nicht in Schwierigkeiten zu bringen, musst du also darauf achten, dass alle Pflichtangaben enthalten sind. Dazu gehören:

  • Name und Anschrift des Rechnungsausstellers
  • Name und Anschrift des Leistungsempfängers
  • Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer bei umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen. Bei umsatzsteuerbefreiten Unternehmen die persönliche Steuernummer und ein Hinweis, dass nach §19 UStG keine Umsatzsteuer berechnet wurde.
  • Rechnungsdatum und fortlaufende Rechnungsnummer
  • Zeitpunkt der Lieferung, Leistungsdatum oder Termin beziehungsweise Zeitraum der Dienstleistung
  • Art und Menge des Produktes beziehungsweise Umfang/Dauer der Dienstleistung
  • Preisangaben (Nettobetrag, Umsatzsteuer und Gesamtbetrag brutto)
  • Hinweis auf die Aufbewahrungspflicht, sofern mit der Rechnung steuerliche Vorgaben verbunden sind

Tipp!

Mit einem Rechnungsprogramm kannst du in Sekundenschnelle eine Rechnung erstellen. Außerdem kannst du sichergehen, dass alle Pflichtangaben enthalten sind.

Buchhaltung lernen – diese Möglichkeiten gibt es

Wenn du unseren Ratgeber bis hierhin durchgelesen hast, dann weißt du jetzt schon eine ganze Menge über Buchhaltung, Buchführung und die gesetzlichen Vorgaben. Vielleicht schwirrt dir in diesem Moment auch der Kopf und du fragst dich, wie du das alles umsetzen sollst.

Doch du bist nicht die/der Erste, dem es so ergeht! Wir haben alle mal als Laien angefangen – wichtig ist, dass du dranbleibst.

Darüber hinaus kannst du dich auf ganz verschiedenen Wegen weiter fortbilden und deine Basiskenntnisse vertiefen. Infrage kommen sowohl Kurse vor Ort als auch Fernlehrgänge, Online-Tutorials oder auch Bücher und Medien fürs Selbststudium.

Buchhaltungskurse online oder als Präsenzveranstaltungen

Willst du dich umfassend in das Thema Buchhaltung einarbeiten, dabei aber Zeit und Ort des Lernens selbst bestimmen, kommen die Fernlehrgänge verschiedener Online-Akademien in Betracht. Diese sind allerdings zumeist sehr kompakt und zeitaufwändig, da sie einer Berufs- oder Fachausbildung entsprechen. Interessieren dich nur einzelne Aspekte und lernst du lieber mit anderen gemeinsam vor Ort, könnten Kurse und Weiterbildungsmöglichkeiten von Bildungsträgern wie der IHK (Industrie- und Handelskammer) oder der VHS (Volkshochschule) die bessere Wahl sein. Hier wählst du Thema und Dauer der Kurse nach deinen Interessen und deinen Vorstellungen aus.

So bietet die IHK beispielsweise einen zweimonatigen Lehrgang Buchhaltung an, der zudem noch über eine Bildungsprämie gefördert werden kann. Wer dann noch nicht genug hat, kann anschließend den Aufbaulehrgang besuchen. An nur einem Tag absolvierst du bei der IHK einen Crashkurs zu den „Grundlagen der Buchhaltung“.

Auch bei den Volkshochschulen findest du Crashkurse, Kurse oder Zertifikatslehrgänge, die dich auf deine Aufgaben gut vorbereiten. Da sich die Angebote regional jedoch stark unterscheiden, informierst du dich am besten auf der Website oder im Katalog deiner örtlichen VHS.

Online-Tutorials

Bist du eher ein audio-visueller Lerntyp und schaust dir gern hilfreiche Videos an, findest du auf YouTube zahlreiche Tutorials zu den Grundlagen der Buchführung.

Konventioneller gestaltet, aber nicht weniger informativ sind die Vodcasts der internationalen Fernhochschule IUHB zu den Themen Buchführung und Bilanzierung, die du ebenfalls auf YouTube kostenfrei anschauen kannst.

Lern- und Übungsbücher

Möchtest du deine Kenntnisse im Selbststudium vertiefen und bist du eher der Büchertyp, können wir dir beispielsweise das Übungsbuch „Buchführung für Dummies“ empfehlen. Bücher aus der Dummie-Reihe sind für Laien gedacht, die sich unterhaltsam, aber auch anspruchsvoll mit einer Thematik befassen wollen.

Speziell auf die Themen Buchhaltung und Jahresabschluss zugeschnitten ist auch das Lehr- und Arbeitsbuch der Professoren Döring und Buchholz, das sich ebenfalls an Anfänger richtet und neben den Aufgaben einen Lösungsteil umfasst.

Did you know?

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